Freitag, 19. August 2011

Von der Prinzessin zur rothaarigen Königin

Ich, Julia und Gastmutter Carola
Nun schaffe ich es endlich einmal wieder ein wenig von meinen Erlebnissen hier in Bolivien zu berichten.
Nach meinem letzten Bericht ist schon wieder viel passiert und es fing mit dem Abschied aus La Paz und der Busfahrt nach Santa Cruz an.

Die anderen Freiwilligen habe ich am Dienstag vor einer Woche gesehen, einige blieben in La Paz, andere fuhren nach Sucre. Nur Christopher, Sven, Simon, Lissy, Sophia, Julia und ich setzten uns in den Bus nach Santa Cruz. Der Abschied von den anderen Freiwilligen ging relativ schnell, da wir flott unsere Sachen auf den Minibus hieven und zum Bus Terminal fuhren mussten. Doch wir mussten uns auch von Beatrice und ihrer kleinen Tochter Maria verabschieden, die in dem Schwesternhaus in La Paz für uns gesorgt hatte. Sie hat uns sogleich angeboten sie nochmal zu besuchen, wenn wir in La Paz sind, was wir in diesem Jahr vielleicht noch einmal schaffen werden. Für die herzliche Umsorgung bedankten Julia und ich uns mit einer lieben Umarmung und ein paar Süßigkeiten aus den gesammelten Gastgeschenken.

Ein Mandarinenbaum im Garten!
Dann wurde es anstrengend, denn es hier 17 Stunden Bus fahren, obwohl es eigentlich schlimmer klingt, als es letztendlich wirklich war, denn Araceli hatte für uns einen Bus Cama gemietet, was ein richtiges Luxusding war. Ein großer Reisebus, mit nur drei breiten Sitzen in jeder Reihe, die man annähernd horizontal einstellen konnte, sodass man es wirklich bequem hatte. Nachdem ich in La Paz Minibus gefahren bin und auch die anderen Verkehrsmittel gesehen hatte, war ich wirklich erstaunt, denn solche Sessel habe ich noch nicht mal in Deutschland gesehen. Die Filmauswahl des Fahrers fiel aber dafür wirklich miserabel aus und anstatt den dritten Teil eines schlechten Boxfilms zu sehen, habe ich versucht etwas zu schlafen.
Als ich wieder wach wurde, waren wir eindeutig schon in Santa Cruz, denn aus den Fenstern konnte ich Palmen in rauen Mengen sehen. Von dem Anblick so gefesselt konnte ich nicht mehr schlafen und genoss stattdessen den Sonnenaufgang über der Ebene, denn hier war wieder alles flach. Wir fuhren noch einige Stunden an sehr kleinen, ärmlichen Hütten vorbei, die ich als sehr gemütlich bezeichnen würde, bis wir dann irgendwann in der Stadt Santa Cruz ankamen.

Es ist riesig groß und dennoch hat man kaum das Gefühl einer Stadt, denn es gibt keine Hochhäuser. Auch Häuser mit mehr als drei Etagen sind selten, weshalb alles überschaubar wirkt, doch sich zurechtzufinden ist eine ganz andere Sache. Am Busterminal wurden wir herzlichst von unseren Gastfamilien empfangen, verabschiedeten uns vorläufig von den anderen Frewilligen und Julia und ich fuhren mit unserer Gastmutter Carola im Taxi zu ihrem Haus. Zwischendurch mussten wir jedoch anhalten, denn obwohl wir schon alle Pullover von uns geworfen hatten, war es unglaublich heiß und wir brauchten dringend etwas zu trinken. Noch nie habe ich mich so über kaltes Wasser gefreut!
Die Schule, an der Carola arbeitet




Das Haus in dem wir leben in wirklich sehr groß und außer Carola wohnen hier noch ihre Eltern, ihre Tante und nebenan im Haus ihre Schwester mit Mann und zwei Kindern (ein und vier Jahre alt und herzallerliebst). Der Garten drumherum toppt allerdings alles, denn er ist riesig und überall stehen Palmen, Orangenbäume und weitere Früchte, die ich nur aus dem Supermarkt kannte, oder völlig unbekannte. Draußen laufen auch noch ungefähr sieben Hunde, eine Katze, einie Gänse und Hühner und zwei Papageien rum, die manchmal sogar „Hola!“ sagen. Die Einrichtung ist aber eher spartanisch, was aber wahrscheinlich dem bolivianischen Stil entspricht. Nicht ganz meinen Geschmack treffen auch die ganzen kitschigen Jesusbildchen, aber jedem das Seine.

Gleich am ersten Abend in neuer Umgebung gingen wir auf die Hauptplaza in Santa Cruz zur Messe, die draußen vor der Kathedrale stattfand. Es war deutlich schöner als in La Paz! Danach fielen Julia und ich erschöpft in unsere Betten, aber es fiel schwer bei der auch während der Nacht andauernden Hitze zu schlafen. Das Frühstück trifft hier leider nicht ganz meinen Geschmack, denn bisher besteht es aus süßlichem Brot mit Butter...

Der Sprachkurs mit Lissy, Simon und Sven zusammen bei Profesor Jose ist dafür aber wirklich gut und ich denke, dass wir ganz gut vorankommen, vor allem lernen wir nicht nur die Sprache, sondern auch wirklich viel über die bolivianische Kultur und das ist wirklich richtig interessant.
Nach unserem Unterricht fuhren wir mit Carola in die Schule, an der sie arbeitet und setzten uns zu ihr in den Unterricht, der im Gegensatz zu Deutschland wirklich vollkommen anders ist. Die Kinder sind aber mindestens genauso niedlich, vor allem weil wir die Attraktion des Tages waren, denn blasse Haut und rote Haare fallen zwischen den dunkelhäutigen, schwarzhaarigen Leuten um uns herum doch auf.
Abends lernten wir Tradition hautnah kennen, denn es fand eine Andacht für den seit einem Jahr verstorbenen Onkel Carolas statt. Hieß: kitschiger Altar, 30 Stühle und Leute, Gebete und Gesang zwischen zwei dicht beieinanderstehenden Häusern. Danach gab es auch noch ein Festmahl, was wir allerdings ausließen.

Mit unseren Gastgroßeltern waren wir schon auf einem gigantischen Markt, wo meilenweit nur Obst und Gemüse war. So weit das Auge reichte, waren da plötzlich Zwiebeln und auf der anderen Seite des Ganges dann Kartoffeln. Es war zwar eng und voll, aber vor allem berauschend.
Abends dann auf einem Markt etwas anderer Art mit Carola, fühlten Julia und ich uns nicht ganz so wohl, denn plötzlich waren wir von turmhohen Ständen mit Klamotten, Plastikzeug und Technik, sowie einem unangenehm künstlichen Geruch umgeben. Es war sehr anstrengend und wir waren froh als wir diese Made-in-China-Welt hinter uns lassen konnten.

Saeckeweise Reis und andere Sachen
Am Sonntag morgen habe ich hier in Bolivien die bisher schönste Messe erlebt. Wir waren in der Kapelle in unserer Straße, beinahe schlicht, wo eine Trommel und ein Schellenkranz zwei Sängerinnen begleitet haben. Der Pfarrer war total freundlich und hat uns -peinlicherweise- nach der Predigt nochmal der ganzen Gemeinde vorgestellt. Als würden wir nicht schon genug auffallen, vor allem ich, weil ich 90 Prozent der Leute hier um einen Kopf überrage.

Anfang der Woche habe ich dann endlich wieder etwas richtig Gutes zu Essen bekommen. Am Montag waren wir bei Christophers Gastfamilie eingeladen und es gab Reis, Kartoffelbrei und Brokkolisuflée zum Hühnchen. Endlich konnte ich mich mal wieder sattessen. Dienstag waren wir in einem wirklich guten Café über Mittag und Mittwoch durften wir Freiwilligen alle zusammen bei Christophers Familie kochen und wir haben es tatsächlich geschafft einen leckeren Kartoffelauflauf mit Salat und Fleisch zu machen, der auch seiner Gastfamilie geschmeckt hat.
Die Reaktionen auf uns sind sehr interessant. Taxifahrer fahren langsamer, weil sie uns mitnehmen wollen, Händler ziehen uns gnadenlos über den Tisch und an einem Tag wurden Julia und ich von einem älteren netten Herr „Prinzessinen“ und von einem Betrunken als „rothaarigen Königinnen“ bezeichnet.

Am Montagabend haben Julia und ich dann an der großen Abschlussanbetung der Jungfrau teilgenommen, die seit einer Woche jeden Abend auf unserer Terasse angebetet wurde, doch da es statt wie geplant um 8 erst um 10 losging, ließen wir das Festmahl danach aus und fielen totmüde von der Hitze ins Bett, denn hier ist es wirklich heiß und das macht uns immer ganz schön müde.
Hektischer Marktalltag
Dienstagabend fuhren wir mit zur Überraschungsparty für Carolas Tante, die Geburtstag hatte. Da stieg aus dem Taxi vor uns gleich eine kleine Kapelle aus und wir fielen mit viel Lärm bei ihr ein, wo ich dann auch meine erste Tanzerfahrung in Bolivien machte. Ich glaube, dass ich mich nicht ganz so schlecht angestellt habe. Zumindest haben sie immer gelacht, oder das bedeutete, dass ich völlig idiotisch ausgesehen habe...wer weiß das schon.

Heute Abend gehen wir Freiwilligen im Sprachenzentrum, wo unser Kurs stattfindet „Sonnenallee“ gucken und anschließend noch den Irish Pub nebenan testen. Heute ist ein wirklich angenehmer Tag, denn es hat das erste Mal, seit ich hier bin geregnet und die Temperaturen sind wirklich angenehm, sodass man nicht die ganze Zeit schwitzt und müde ist.

Ich melde mich bald wieder
Liebe Grüße aus dem heißen Santa Cruz de la Sierra
Lisi
Sierra heisst Wueste

Sonntag, 7. August 2011

Linksumdrehung

So liebe Leute, hier kommt meine erste Meldung aus Bolivien!

Am 3. August bin ich von Hannover aus los geflogen. Der Abschied viel mir nicht leicht, dennoch siegte die Vorfreude auf mein Abenteuer über den Drang zu weinen. Mit dem Gepäck hat ein Glück alles geklappt: meine Koffer hatten das richtige Gewicht, mein Rucksack war nicht zu groß als Handgepäck und die Fluggesellschaft hat es sogar geschafft die Koffer durch zu schicken, sodass wir sie zwischendurch nicht abholen und neu aufgeben mussten.

Flug Hannover – Zürich, Swiss Air
Ein recht kurzer, aber sehr angenehmer Flug. Wir hatten bequeme Sitze, es gab lecker Schnittchen und die Stewardessen waren total nett und wünschten uns alles Gute für unser Auslandsjahr.

Flug Zürich – Sao Paulo, Swiss Air
Mein bisher längster Flug, von ungefähr 12 Stunden. Nachdem man durch die Erste Klasse gegangen war, wurde man von der Zweiten schon sehr enttäuscht, denn die Sitze waren natürlich viel enger zusammen, doch Larissa und ich hatten Glück und saßen in der ersten Reihe, wo wir unsere Beine toll ausstrecken konnten. Zum Abendbrot und Frühstück gab es dank Swiss Air richtig leckeres Essen und die Sitze waren auch soweit bequem, dass wir ganz gut schlafen konnten. Nur die Toilettentür direkt neben unseren Sitzen, hat etwas gestört. Doch die Stewardessen waren auch bei diesem Flug sehr nett und haben uns sogar ein paar Sachen aus der Kindergeschenkekiste von Swiss Air geschenkt.

Flug Sao Paulo – Santa Cruz, Aero Sur
Ein zehnstündiger Aufenthalt in Sao Paulo erwartete uns am wohl langweiligsten Transitbereich der Welt. Es gab: nichts! Da waren vielleicht fünf Läden, die völlig überteuert waren und ein Mini-Sandwich 10 Dollar gekostet hat. Deshalb habe ich gehungert und wie alle anderen gefroren, denn die Klimaanlage war viel zu stark eingestellt. Das einzig Schöne war der Sonnenaufgang, den wir über dem Flugplatz beobachten konnten. Dazu kam noch ein bisschen Faszination, denn ich weiß nicht, wie es bei euch ist, aber hier dreht sich das Wasser links herum durch die Kloschüssel.
Als wir alle ziemlich am Ende mit den Nerven waren, ging es dann doch irgendwann weiter, doch besser wurde es nicht unbedingt. Zwischen Swiss Air und Aero Sur liegt ein himmelweiter Unterschied. Nicht nur, dass wir uns gleich an die bolivianische Unpünktlichkeit gewöhnten (der Flieger kam eine halbe Stunde zu spät), sondern es war auch eng, dreckig und meiner Meinung nach nicht ungefährlich. Schon die Stewardessen vermittelten einen so miserablen Eindruck mit ihrem genervten Gesichtsausdruck und der Flug, sowie die Landung waren nicht unbedingt angenehm.

Flug Santa Cruz – La Paz, Aero Sur
Den letzten Flieger hätten wir eigentlich verpassen müssen, hätte er nicht, genau wie der vorige Verspätung gehabt. So erwischten wir ihn noch und mir war endlich mal wieder warm. Die Stewards waren deutlich motivierter und obwohl auch der Flieger keinen 100% vertrauenswürdigen Eindruck machte, entschädigte der Blick über La Paz bei Nacht. Ein gigantisches Lichtermeer, das sich über Berghänge zog, entschädigte für die Unannehmlichkeiten.

Am Flughafen waren wir dann alle völlig fertig und dennoch glücklich, endlich da zu sein. Bei mir kam aber gleich der Schock, denn ein Koffer fehlte. Doch die Fluggesellschaft versicherte mir, dass er mit dem nächsten Flieger kommen würde und ich ihn dann abholen könne, also versuchte ich die schlechte Laune zu verdrängen. Das war einfacher als gedacht, denn mit 16 Leuten im Minibus (im Prinzip ein Bulli, mit ein paar mehr Sitzen), ohne Anschnaller und dem Gepäck auf dem Dach, ging es ziemlich zügig über eine breite, schlaglochübersäte Straße von El Alto runter nach La Paz. Der Blick in die Täler war wieder faszinierend, denn man sah überall gelbliche Lichter schimmern, soweit das Auge reichte.

Die Unterkunft in dem Schwesternhaus mitten in La Paz ist relativ komfortable. Ich schlafe mit Julia in einem Dreibettzimmer, mit eigenem Badezimmer. Die Matratzen sind so durchgelegen, dass man immer in die Mitte rollt, egal wie man sich dreht und die Amaturen der Dusche verpassen einem regelmäßig Stromschläge, was in Verbindung mit Wasser irgendwie gefährlich wirkt.
Frühstück bekommen wir hier im Haus, was allerdings von Tag zu Tag schlechter wurde. Am Anfang gab es noch Butter und Marmelade, sowie eine Obstschale. Heute gab es durch gewisse Umstände nur noch ungetoastetes Toastbrot. Zu Mittag gehen wir in ein für hiesige Verhältnisse teures Restaurant und abends suchen wir uns selbst etwas, oder lassen es bleiben.

Am Samstag fing dann das Einführungsseminar mit Araceli und Magnus an, mit Themen, wie „Leben in Gastfamilien“ und „Praktische Tipps“. Es ist wirklich informativ, aber teilweise das Gleiche wie auf dem Vorbereitungsseminar und doch relativ monoton, wobei die unbequemen Stühle nicht gerade zur Erheiterung beitragen. Dennoch hat man vom Büro der Hermandad (Partnerschaft zwischen Trier/Hildesheim und Bolivien), das im achten Stock liegt einen super Ausblick über das Häusermeer La Paz's und in der Ferne auf ein paar schneebedeckte Gipfel.

Die Höhe merke ich deutlich. Zwar habe ich nicht direkt die Höhenkrankheit, doch nach einer einzigen Treppen, schlägt mein Herz wie nach einer Runde um den Sportplatz laufen und ich muss eine kleine Pause machen um wieder zu Atem zu kommen.

Am Dienstag fahre ich dann mit sechs anderen der Freiwilligen und Araceli mit dem Bus 17 Stunden lang nach Santa Cruz, wo ich zusammen mit Julia in einer Gastfamilie lebe und wir alle vier Wochen lang einen Sprachkurs machen werden, nachdem ich mich hoffentlich verständigen kann. Momentan hapert es ziemlich, auch wenn ich zumindest ein Drittel des Gesagten verstehen kann.

Hiermit erstmal herzliche Grüße aus dem kann-man-nicht-beschreiben-sondern-muss-man-erleben La Paz
Eure Lisi

Montag, 1. August 2011

Wie wird Quiche geschrieben?

So meine Fähigkeit zu Schlafen lässt langsam aber sicher nach.
Nachdem letzte Woche Jakob, Medi und Marius ihren Geburtstag auf dem Wohldenberg gefeiert haben und es wirklich ein tollen Abend mit vielen lieben Leuten war, ging es wieder beim Verabschieden weiter. Von einigen der Leute musste ich mich schon am Samstagabend verabschieden, von meinem Cousin Felix und seiner Freundin Sarah dann am nächsten Morgen, als sie sich wieder auf den Heimweg machten.
Am Beginn der Woche war dann die andere Seite der Familie an der Reihe, denn Dienstag und Mittwoch ging es mit dem Zug mit Medi nach Eslohe zu meiner Oma, meinem Onkel, meiner Tante, zwei Cousins und einer Cousine. Zwar waren wir wirklich nur ganz kurz zu Besuch dort, aber immerhin habe ich sie vor meinem Jahr Ausland nochmal gesehen und konnte mich ordentlich verabschieden, nachdem das Kanuwochenende ins Wasser gefallen war.

Die Bolivien-Notfallbox :)
Nach einem ruhigen Donnerstag, habe ich mir dann am Freitag wieder einmal mit Theresa zusammen den Hintern platt gesessen, weil wir auf dem Weg nach Fulda waren: Musical! Diesmal war die Päpstin dran und es war zwar deutlich kleiner als das Musical in Hamburg, aber gemütlich und von der Qualität kein Stück schlechter. Obwohl wir bei der Rückfahrt durch verspätete Züge einige Male rennen mussten, kamen wir doch ganz glücklich wieder Zuhause an.

Gestern Abend habe ich dann mit einigen Freunden zusammen gesessen, gut gegessen (ein Glück kann ich inzwischen doch ein bisschen kochen) und einen netten Abend miteinander verbracht. Es gab Tomatenquiche, Mousse au chocolat und ein paar Runden Bohnanza, die uns dazu veranlassten bis spät in die Nacht zu quatschen. Dann ging es schon wieder mit dem Abschied weiter, denn das war der letzte gemeinsame Abend mit ihnen für ein Jahr.

Die Koffer sind beinahe fertig gepackt!
Wenn ich die Tage mal ein bisschen Zeit zwischendurch hatte, habe ich an meiner Packliste (sehr unvollständig) weitergeschrieben, irgendwelche Schränke von Schuhen bis Klamotten sortiert und geordnet und angefangen im Gästezimmer Stapel bereitzulegen. Es wird mit Sicherheit alles in den Koffer passen und eigentlich bin ich ganz entspannt, was das Vergessen angeht. Die Gastgeschenke und die wichtigen persönlichen Dinge, werde ich nicht vergessen und alles andere kann ich mir zur Not auch in Bolivien kaufen, von daher mache ich mir da keine Panik.

Ich tigere einfach weiter durchs Haus und lege mir immer ein paar Sachen mehr zurecht, damit ich dann morgen gucken kann, wie ich es einpacke. Jetzt freu ich mich erstmal drauf, dass Medi heute vorbeikommt und Jakob auch am Mittwoch da ist, denn dann geht es tatsächlich schon los! Kaum zu glauben...

Sonntag, 17. Juli 2011

Erdbeerfinger Ade

Nachdem ich im Mai damit begonnen hatte die freie Zeit nach dem Abi damit zu verbringen Geld zu verdienen, ist nun mein erster Job vorbei. An diversen Erdbeerverkaufsstellen im Landkreis Hildesheim wird mich nun erstmal keiner mehr sehen. Und obwohl ich froh bin, dass meine Finger nicht mehr rötlich verfärbt vom vielen Sortieren und Naschen sind, ist es doch schade, denn der Erdbeerduft in den Ständen war wirklich angenehm. Nun habe ich endlich mein Buch durchgelesen und arbeite seit Montag mit meinem Papa zusammen in Braunschweig. Da kann ich zwar nicht zwischendurch lesen, weil ich dauerhaft zu tun habe und anstelle von Erdbeerfingern, ziehe ich mir an den Verpackungsmaterialien wie Briefumschlägen oder Paketen nun reichlich kleine Schnitte an den Fingern zu. Doch das überlebe ich sicherlich noch die eine Woche, dann ist die Zeit da auch schon wieder rum.



Bevor ich in Braunschweig angefangen habe, war allerdings noch ein wirklich tolles Abigeschenk dran. Nach einer ewigen Zugfahrt mit viel zu viel Gepäck für eine Übernachtung gelangten Theresa und ich nach Hamburg zu meiner Großtante Käthi. Sie bot uns, nachdem wir ihr Haus leicht verzweifelt gesucht hatten, ein Drei-Gänge-Menü dar und erklärte uns anschließend genau den Weg zur Neuen Flora. Das haben wir Dorfkinder auch tatsächlich ohne Probleme gefunden und wir wurden für die anstrengende Zugfahrt entschädigt, als wir dann zwei Stunden lang das Musical Tarzan erleben durften. Es war atemberaubend! Wir wären gerne noch länger geblieben und hätten es uns noch ein paar Mal angeguckt, doch einmal musste fürs Erste genügen.
Nach einer Nacht auf dem Wohnzimmerboden bei Käthi führte sie uns im Schnelldurchgang an einigen von Hamburgs schönen Eckchen vorbei und dann gings auch schon wieder ab zum Bahnhof, denn ich musste abends zum Impfen wieder Zuhause sein.

Nach dem vorletzten Piekser ließ ich es mir jedoch nicht nehmen mit der Jugendgruppe noch in den Sottrumer Freizeitpark zu fahren und dort nach Schließung zwei Stunden lang wie ein kleines Kind auf der Hüpfburg herumzuspringen. Es hat echt viel Spaß gemacht!

Am gleichen Tag hat Jakob auch noch sein Examen zum Krankpfleger bestanden, was für uns am Freitag hieß: rein in die schicken Klamotten und auf in den Examensgottesdienst. Abends stand dann noch eine Feier in lässigerem Outfit an.
Am Samstag folgte dann ein weiterer Gottesdienst, allerdings ging es dabei um mich und meine dreizehn Mitfreiwilligen. Martin Tenge hat uns Samstagabend einen Reisesegen gegeben und uns auf den Weg geschickt.

Am Mittwoch fange ich schon mal mit Medi und Mama an die ersten Dinge für Bolivien einzukaufen, denn es ist wirklich nicht mehr lange hin... Eine Woche noch arbeiten und dann sind es tatsächlich nur noch anderthalb Wochen, bis ich von Hannover aus losfliege.
Die Nervosität steigt...

Montag, 4. Juli 2011

Von Bällen und Wasserpistolen

Es ist vollbracht! Heute habe ich tatsächlich die letzte Aktion des Abiturs hinter mich gebracht.
Angefangen hat es am 24.06. mit der Zeugnisvergabe. Der komplette Jahrgang mit familiärer oder befreundeter Begleitung versammelte sich in der Godehardkirche, die trotz der Beschränkung auf drei Begleitpersonen, aus allen Nähten platzen. Blöderweise saßen wir Abiturienten im Chorraum und ich hab vom Gottesdienst rein gar nichts mitbekommen. Mitzusingen habe ich mich auch nicht getraut, da meine Stimme leicht angekrazt war. Doch nach dem Gottestdienst, als wir auch für die Zeugnisübergabe in der Kirche verweilten, bekam ich endlich einmal die gefüllte Kirche in Gänze zu Gesicht, als ich mit meinen Schulsprecherkolleginnen eine Abschlussrede hielt. Im Gegensatz zu der Rede der Schulleitung wurde unsere glücklicherweise gut angenommen und gelobt :)
Zur Pause hatten wir dann mit dem Wetter echtes Glück, denn die Sonne war hervorgekommen und ermöglichte es uns im Sonnenschein einige Fotos zu machen. Dann folgte in der Kirche noch die Zeugnisübergabe, die insgesamt eher unspektakulär war. Als Abschluss wurden besonders gute Leistungen, sowie die Jahrgangs- und Schülersprecher geehrt und die Veranstaltung wurde offiziell für beendet erklärt, nachdem wir uns alle den Hintern wund gesessen hatten, weil es bei unserem großen Jahrgang doch wirklich lang gedauert hatte. Da der anschließende Sektempfang viel zu überfüllt war, ging ich mit meinen Eltern und meiner Schwester spontan eine Kleinigkeit essen und setzten so einen leckeren Schlussstrich unter den Abend.

Zwei Tage später folgte dann der Abiball, eine angenehm festliche Veranstaltung, wie ich sagen muss. Wir Abiturienten zogen pärchenweise ein, wobei man alle Outfits gut betrachten konnte und tanzten einen Walzer zu Beginn. Wegen unserer Masse gab es insgesamt sieben Tanzgruppen, von denen ich kaum etwas gesehen habe, weil ich natürlich in der letzten gelandet bin. Aber Julius und ich haben den Tanz annehmbar gemeistert und der Abend ging entspannt weiter. Nach der Live-Band waren irgendwann auch die Eltern weg und nach einem kurzen Durchhänger ging es dann mit einem DJ weiter und es wurde durchgetanzt, bis die Sonne wieder aufging. Die Dunkelheit habe ich vollkommen verpasst. Morgens früh um sieben ging es dann mit dem Taxi im schicken Outfit zum Bäcker frühstücken und anschließend zu Schule, um den bemitleidenswerten Schülern dort ein paar nette Worte zuzurufen und ein wenig den Unterricht zu stören.
Nach ein paar Stunden in der Schule war es dann aber auch irgendwann Zeit ins Bett zu gehen und so gings mit dem Ballkleid durch die Stadt, in den Zug und durchs Dorf nach Hause.

Damit war der Montag vorüber und am Dienstagmorgen ging es auch gleich weiter. Mit Wasserpistole und Trillerpfeife bewaffnet ging es ab auf einen der vier Trecker, mit denen wir dann einmal quer durch die Stadt gefahren sind. Unterwegs haben wir reichlich Lärm gemacht und uns viel Mühe gegeben die vorbeifahrenden Autofahrer zum Hupen zu bewegen. Da es ein extrem heißer Tag war, waren auch die Fußgänger oder Fahrradfahrer nicht wirklich böse, wenn sie ein wenig nassgespritzt wurden. An den Schulen, die wir passierten, winkten uns begeisterte Schüler zu und ließen unser schadenfrohes "Ihr-müsst-zur-Schule-geh'n" über sich ergehen. Vor der Marienschule wurde dann Halt gemacht, nur leider durften wir mit den Wasserpistolen nicht auf den Schulhof, um den Unterricht zu stören.

Damit war aber spätestens heute Schluss, denn heute war der Abi-Streich an der Reihe. Heißt: Trillerpfeife in den Mund, Wasserpistole/ Wasserbombe in die Hand und auf jeden Fall allen Schülern mit Edding "ABI 2011" ins Gesicht schreiben. Zudem wurde der Einlass in die Schule versperrt und das Lehrerzimmer geschmückt. Leider habe ich den Auftakt versäumt, weil ich vom Wochenende noch zu müde war und meinen Wecker einfach nicht gehört habe. Sehr schade, aber als ich dann auch, mit kleiner Verspätung, eintraf blieb immer noch genügend Zeit um mit einer kleinen Gruppe Musik- und Physikstunden zu besuchen in denen ordentlich gesungen und experimentiert wurde. Schule macht so viel mehr Spaß, wenn man nicht mehr hin muss :)

Und das war's! Abitur fertig, Schulzeit beendet. So ganz ist es bei mir noch nicht angekommen, es fühlt sich eher immer noch wie Ferien an, die demnächst ja auch für die anderen anbrechen. Aber in einem Monat geht es schon los und nicht wieder zu Schule, sondern in eine ganz andere Richtung.

Bevor ich jedoch nach Bolivien aufbreche, stehen diese Woche vor allem Unibewerbungen und der Musicalbesuch mit Theresa in Hamburg an. Erstes stressig, zweites wird mit Vorfreude erwartet.